fbpx

Über Chancen für Start-Ups, Zeitslots und Weltenwandler – Interview mit Uwe Lück [Teil 4 Nearshore ]

Das Ankerkopf-Team führt im vierten Teil der Blogreihe “Nearshore” ein Gespräch mit Uwe Lück von der IHK Ostwestfalen. Uwe Lück ist dort Referatsleiter für die Bereiche Technologie und Innovation sowie Hochschulbeauftragter. Ihr erfahrt Wissenswertes über die Verbreitung von Nearshore in OWL, die Vorteile von Offshore für bestimmte Unternehmensgruppen wie Start-Ups und auch Risiken, etwa im Bereich Kommunikation. Außerdem gibt es hilfreiche Adressen und Anlaufstellen, für alle, die diesen Schritt als Unternehmen gehen möchten.

Wie ist Ihre Einschätzung, inwieweit ist Offshore-Softwareentwicklung bei den Unternehmen in OWL bereits verbreitet?

Uwe Lück: Ich habe keine konkreten Zahlen, aber aus Gesprächen nehme ich mit, dass durchaus viele Unternehmen in OWL offshore entwickeln lassen. Vom Start-Up bis zum etablierten Betrieb reicht die Bandbreite, und da vor allem die IT-Dienstleister und Softwarehäuser, weniger die Firmen mit IT-Abteilungen.


Uwe Lück nahm nach einer handwerklichen Ausbildung das Studium der Elektrotechnik an der Fachhochschule Bielefeld auf. Als Diplom-Ingenieur schloss er ein Volontariat beim Vogel Verlag in Würzburg an und arbeitete dort anschließend als Redakteur für Fachzeitschriften. Seit 1998 ist er als Referent für das Themenfeld Technologie und Innovation bei der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld tätig. Er berät Mitgliedsunternehmen und Start-Ups zu Fragen im Innovationsprozess und knüpft Netzwerke, zum Beispiel um Wirtschaft und Wissenschaft miteinander in Kontakt zu bringen und den Technologietransfer zu fördern.
 
Foto: Uwe Lück/ IHK
 

Bevorzugen die Firmen eher die Nearshore- oder die Farshore-Lösung, also Development im europäischen Kontinent oder z.B.  in Asien?

Bis vor einem halben Jahr hätte ich auf jeden Fall noch Farshore geantwortet. Aber in letzter Zeit wurde durchaus etwa Osteuropa in den Fokus genommen. Ansonsten  bleibt es beim Klassiker Indien, wobei die Nachfrage an Entwicklungsleistung in China zuletzt auch angewachsen ist.

Gibt es derzeit Hotspots oder vielversprechende Geheimtipps?

Ich würde sagen, dass Indien nach wie vor Hotspot ist. Denn dort befinden sich sehr gut ausgebildete Leute, die für einen preisgünstigen Kurs ihre Dienstleistung anbieten. Ich kenne auch einen Fall, wo ein Unternehmer ein ganzes Team vor Ort beschäftigt und unter deutscher Leitung führt. Dieser ist aber auch mit einer Inderin verheiratet, ein Wandler zwischen den Welten sozusagen.

Bis vor einem halben Jahr hätte ich auf jeden Fall noch Farshore geantwortet. Aber in letzter Zeit wurde durchaus etwa Osteuropa in den Fokus genommen, so Uwe Lück auf die Frage, ob Firmen in OWL eher near- oder farshore entwickeln lassen.

Welches sind aus Ihrer Expertise heraus typische Fälle bzw. Gründe, weswegen Firmen nicht (ausschließlich) in Deutschland entwickeln lassen?

Der Hauptgrund ist noch nicht einmal der Kostenfaktor, vielmehr ist es in Deutschland schwer überhaupt an die Fachkräfte heranzukommen, gute Programmierer sind rar. Sicherlich ist aber das zweite Argument das niedrigere Gehalt. Das dritte Motiv, das für manche Unternehmen relevant ist, ist die Möglichkeit der 24 Stunden Betreuung eines Projekts durch die Zeitverschiebung.

Welche Chancen und aber auch Risiken sehen die OWLer UnternehmerInnen bzw. Sie ganz persönlich im Auslagern dieser Dienstleistung?

In der Beratung habe ich einen Unternehmer gehabt, der hat zunächst in Rumänien entwickeln lassen. Mit dem Ergebnis, dass die Anforderungen technisch erfüllt wurden, aber der Look noch stark an 1993 bzw. MS-DOS erinnerte. Derselbe Unternehmer hat sich nun aber für einen Entwickler in Portugal entschieden und ist total zufrieden. Dieses ist ein Start-Up, welches die IT-Kompetenz bewusst extern einkauft und das auch bereits im Business Modell eingeplant hat.

Haben Sie schon einmal erlebt, dass solche Prozesse auch scheitern können bzw. an unerwarteter Stelle Probleme auftauchen?

Ja, im Bereich Kommunikation. Hier gestaltet sich wiederum die Zeitverschiebung als Nachteil, dass man die passenden Zeitslots zur Besprechung findet. Auch ist der Austausch auf souveränem Englisch in Indien und China nicht immer gegeben.

Gibt es eine bestimmte Unternehmensgröße oder -branche, für die das Auslagern von Software-Development jetzt oder in Zukunft eine gute und sinnvolle Option darstellen könnte?

Ich denke nicht so sehr an IT-Firmen, aber wenn es um Software-Anwendungen geht, dann eignet sich das Outsourcing. Auch bei Start-Ups, die auf jeden Cent achten müssen, ist das Auslagern eine Möglichkeit. Unternehmen mit IT-lastigen Produkten haben immer einerseits das Risiko, viel Knowhow ins Ausland weiterzugeben und andererseits möchten doch viele direkt am Produkt entwickeln und keine Zeit verstreichen lassen bis zum nächsten Kommunikationsslot.

An wen können sich Firmen vor Ort wenden, wenn sie Beratungsbedarf diesbezüglich haben?

Auf jeden Fall können sich Unternehmen an die IHK wenden. Als Körperschaft öffentlichen Rechts dürfen wir zwar keine direkte Empfehlung tätigen. Bei konkreten Kontaktanfragen nach Kooperationspartnern bzw. EntwicklerInnen im Ausland würden wir dann aber an unseren Partner, die Auslandshandelskammer, verweisen.

Gibt es inhaltliche Veranstaltungen bzw. anderweitige Angebote, die Sie empfehlen können, wenn sich UnternehmerInnen für einen ersten Überblick informieren wollen? Ich habe etwa bei Ihnen den Round Table Sri Lanka auf Ihrer Website entdeckt.

Wir bei der IHK haben viele Bereiche, u.a. eine Abteilung für Außenwirtschaft. In Kooperation mit der Außenhandelskammer wurde ein runder Tisch ins Leben gerufen, um über den Wirtschaftsstandort Sri Lanka grundsätzlich zu sprechen. Vielleicht wird Sri Lanka ja der neue Geheimtipp für Software-Entwicklung, wer weiß.

Was denkt ihr? Wird Sri Lanka der neue Geheimtipp für Software-Entwicklung? #farshore #development

Wie und an welchen Stellen unterstützt die IHK Unternehmen bei diesem Prozess?

Als erste Anlaufstelle sind Unternehmen bei der IHK herzlich willkommen. Wir machen u. a. eine Aufschlussberatung, an wen sich Unternehmen wenden können. Wir können Tipps geben und direkte Kontakte zu Hochschulen herstellen. Man kann mit allem zu uns kommen. Wie der Rheinländer sagen würde: Wir sind da vor nix fies!

Lieber Herr Lück, wir danken Ihnen sehr fürs Gespräch, das Teil 4 unserer Blogreihe zum Thema „Nearshore“ darstellt.

Im Herbst geht es dann weiter mit den Best Practices und wir freuen uns über eure Erfahrungen und den Austausch.

Wollt ihr loslegen wollt, aber euch fehlen noch wichtige Infos oder ein Plan, wie ihr eure IT-Kompetenzen offshore aufstocken könnt, dann nehmt gerne Kontakt auf zu Uwe Lück unter der Telefonnummer +49 521 554-108
oder mailt an u.lueck[a]ostwestfalen.ihk.de

Und wenn ihr gerne auch in dieser Reihe vertreten sein wollt oder euch ein bisher nicht eingeplanter Aspekt fehlt – bitte kommentiert hier auf dem Blog, auf den Social Media-Kanälen oder schreibt eine per PN an Sarah unter blog@ankerkopf.de!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.